12.10.2017 erstellt von Ulrike Ehrich

4. Rendsburger Fachtagung Kinder psychisch kranker Eltern: Auch das Kind in den Blick nehmen bei Eltern mit Borderline-Persönlichkeitsstörung

Gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Kinderschutzbundes Schleswig-Holstein und der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik der imland Klinik Rendsburg vom 11.10.2017

Susanne Günther (DKSB LV SH), Dr. Anna Christina Schulz-Du Bois (imland Klinik Rendsburg), Prof. Dr. Babette Renneberg (FU Berlin), Dipl.-Psych. Erika Hahm (Jugendamt Stadt Mannheim), Melanie Bach (Sozialministerium SH)

Rendsburg/KIEL Die „4. Rendsburger Fachtagung: Kinder psychisch kranker Eltern“ widmete sich heute (11. Oktober) dem Thema Eltern mit Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die Fachtagung im Hohen Arsenal in Rendsburg richtete sich an Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe, der Eingliederungshilfe und der Frühen Hilfen und Kitas sowie an Ärztinnen und Ärzte, Psychologinnen und Psychologen, die werdende Mütter, Eltern sowie Kinder und Jugendliche behandeln. Im Rahmen der Fachtagung mit Schwerpunkt Elternschaft und Borderline-Persönlichkeitsstörung wurden das Störungsbild, Auswirkungen auf die Kinder und konkrete Angebote diskutiert. Der Deutsche Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein und die imland-Klinik Rendsburg veranstalten seit 2014 gemeinsam jedes Jahr eine „Rendsburger Fachtagung: Kinder psychisch kranker Eltern“.

„Ein besonderes Augenmerk richten wir mit dieser Fachtagung auf Mütter mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und ihre Kinder. Da sich die Erkrankung massiv auf die Fürsorge und Bindungsfähigkeit auswirken kann, stehen medizinisch-therapeutische und pädagogische Fachkräfte hier vor besonderen Herausforderungen. Die Entscheidung zwischen präventiven Hilfsangeboten für erkrankte Eltern und ihre Kinder und eingreifendem Kinderschutz ist nicht einfach abzuwägen“, erklärte Anna Christina Schulz-Du Bois, Chefärztin der Psychiatrie und Psychosomatik, imland Klinik Rendsburg.

Zwischen dem 14. und 40. Lebensjahr, also genau in der Zeitspanne, in der Frauen Kinder zur Welt bringen, sind bis zu sechs Prozent der Bevölkerung von einer Borderline-Persönlichkeits¬störung (BPS) betroffen. Die zugrundliegende Störung der Gefühlsregulation mit Instabilität und Impulsivität zeigt sich in starken Schwankungen der Emotionen, dem Selbstbild, in sozialen Beziehungen sowie im Verhalten. Als Ursache wird von einem Zusammentreffen anlagebedingt-neurobiolo¬gischer Aspekte, ungünstigen frühkindlichen Bindungserfah¬rungen und Traumatisierungen ausgegangen.

„Gut Zweidrittel der Borderline-Patienten haben traumatische Gewalt- und Missbrauchserfahrungen in der eigenen Kindheit erlebt. Die Gefahr für den Kreislauf eines Kinderschutzthemas ist also gegeben. Je früher und umfassender den betroffenen Familien geholfen wird, desto größer wird die Chance für das Kind sein, sich im Weiteren gesund zu entwickeln“, betont Susanne Günther die Bedeutung von Fachveranstaltungen wie der 4. Rendsburger Fachtagung „Kinder psychisch kranker Eltern“.

„Für die Kinder und ihre psychisch kranken Eltern sind Hilfe und Unterstützung, aber auch Verständnis aus ihrem alltäglichen Umfeld in Arztpraxen, Kitas oder Institutionen sehr wichtig. Immer noch sind die Bereiche Gesundheitswesen und Kinder- und Jugendhilfe mit Eltern und Kindern zu wenig verzahnt. Dafür muss auf wirklich allen Ebenen gearbeitet werden“, machen Dr. Anna Christina Schulz-Du-Bois und Susanne Günther auf weitere erforderliche praktische und strukturelle Maßnahmen aufmerksam. Auf Bundesebene hat der Bundestag im Sommer beschlossen, Versorgungs- und Informationslücken rund um die Situation von Kindern psychisch kranker Eltern zu benennen und Gegenmaßnahmen vorzuschlagen. Diese Initiative geht auf einen Antrag auf Bildung einer Sachverständigenkommission zurück, die unter anderem der Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein unterzeichnet hatte.

Mit der Fachtagung hatten die Veranstalter ein besonders drängendes Praxisthema gewählt, denn die Fachtagung war innerhalb weniger Tage mit langer Warteliste ausgebucht. 300 Fachleute nahmen das Informationsangebot von Kinderschutzbund und imland-Klinik, Abteilung für Psychiatrie und Psychosomatik wahr.


Kontakt:

Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein e.V.
Sophienblatt 85
24114 Kiel

www.kinderschutzbund-sh.de