21.12.2017 erstellt von Ulrike Ehrich

Nummer gegen Kummer. Weihnachten in Trennungs- und Scheidungsfamilien: Vergesst die Kinder nicht!

Pressemitteilung des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband Schleswig-Holstein e.V. vom 20.12.2017

KIEL Die Landesarbeitsgemeinschaft Nummer gegen Kummer, dem Zusammenschluss der Kinder- und Jugendtelefone sowie Elterntelefone in Schleswig-Holstein, ruft zu den bevorstehenden Feiertagen auf, die Bedürfnisse der Kinder in Trennungs- und Scheidungsfamilien nicht aus dem Blick zu verlieren. Etwa ein Drittel der Familien mit Kindern unter 18 Jahren haben alleinerziehende Elternteile (90.000 Alleinerziehende mit rund 120.000 Kindern unter 18 Jahren). Statistisch nicht erfasst sind sogenannte Patchwork-Familien, also Familiengefüge, in denen Paare mit Kindern auch aus früheren Partnerschaften leben. Insgesamt wurden 2015 in Schleswig-Holstein 224.524 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre[1] gezählt, damit sind alleinerziehende Eltern oder die Patchwork-Familie für mehr als die Hälfte der Kinder und Jugendlichen Lebenswirklichkeit.

„An diese Zahlen hat man sich gewöhnt – aber was bedeutet es zum Beispiel in der ohnehin mit Erwartungen, Hoffnungen und Emotionen aufgeladenen Weihnachtszeit für die Kinder und Jugendlichen?“, fragt Susanne Günther, Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes in Schleswig-Holstein. „Wir appellieren im Sinne der Kinder an die Eltern, deren Lebenspartner und nicht zu vergessen die Großeltern offen und lösungsorientiert die Planung der Feiertage zu besprechen. Denn es bedeutet nicht nur für die Erwachsenen häufig enormen Stress, festzulegen, wer wann wo mit wem feiern soll. Die Kinder trauen sich vielfach einfach nicht zu sagen, was sie sich wünschen, weil sie die Erwachsenen nicht enttäuschen wollen“, so Susanne Günther weiter.  

„In den Gesprächen am Kinder- und Jugendtelefon hören wir immer wieder Traurigkeit über den Verlust der Familie. Die Kinder stellen fest, dass für ihre Trauer gar kein Platz bei Mama und Papa ist. Stattdessen schnappt das Kind unbedachte negative Äußerungen von einem Elternteil über den früheren Partner auf oder sieht sich mit unausgesprochenen Tabus konfrontiert. Das belastet die betroffenen Mädchen und Jungen verständlicherweise sehr“, fasst Brigitte Bischoff, Diplom-Sozialpädagogin und Koordinatorin des Kinder- und Jugendtelefons in Lübeck, die Situation der Kinder zusammen. Den Kindern würde es beispielsweise bereits helfen, wenn sich die Elternteile vergegenwärtigten, was ihre eigene Lebenssituation ist und dies für ihre Rolle als Erziehende und das Kind bedeutet. „Für eine alleinerziehende Mutter ist es natürlich einfach frustrierend, dass sie sich im Alltag abrackert – angefangen vom Schulbrot zubereiten bis zum Trösten bei schlechten Träumen in der Nacht. Und es fühlt sich unfair an, wenn die Kinder am Wochenende beim Vater schön ausschlafen können, tolle Ausflüge unternehmen und das ersehnte Update für die Playstation bekommen“, so die Koordinatorin weiter.

„Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen wäre es gerade an den Festtagen schon deutlich leichter, müssten sie ihre Gefühle von Trauer und Verlust einerseits und andererseits beide Eltern lieb zu haben, nicht verstecken. Vielleicht wäre das doch ein schönes Weihnachtsgeschenk: die Verletzlichkeit des Kindes anzuerkennen und einfach mal zu sagen, ja, es ist traurig und wir können leider gar nichts daran ändern“, macht die Sozialpädagogin den Erwachsenen Mut, mit einem kleinen Schritt vielleicht schon Erleichterung zu ermöglichen – für das Kind und eventuell auch für sich selbst.

„Wenn Eltern oder Großeltern unsicher sind, sie vielleicht einfach mal mit einem Außenstehenden über die bevorstehenden Festtage sprechen wollen, sind sie beim Elterntelefon genau richtig. Die gut geschulten, ehrenamtlichen Beraterinnen und Berater haben ein offenes Ohr für sie. Und Kinder und Jugendliche können sich genauso vertrauensvoll an das Kinder- und Jugendtelefon wenden“, so Susanne Günther.

Rat und Trost holen können sich Kinder, Jugendliche und auch Eltern oder Großeltern bei der Nummer gegen Kummer, die Anrufe sind kostenfrei und anonym. Für Eltern ist das Elterntelefon in Schleswig-Holstein montags bis freitags von 9 – 11 Uhr und dienstags und donnerstags von 17-19 Uhr unter der bundesweiten Telefonnummer 0800 – 111 0 550 zu erreichen.

Für Kinder und Jugendliche ist die Nummer gegen Kummer unter 116111 montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr zu erreichen. Wer lieber mit Gleichaltrigen über seine Sorgen spricht, sollte samstags von 14 bis 20 Uhr anrufen, wenn das Kinder- und Jugendtelefon in Kiel mit jugendlichen Beratern besetzt ist. Für die anonyme E-Mail-Beratung können sich Jungen und Mädchen auf der Internetseite der Nummer gegen Kummer e.V. www.nummergegenkummer.de einen Zugang einrichten.



Hintergrund:
In Schleswig-Holstein sichern verschiedene Standorte das Beratungsangebot der Nummer gegen Kummer: Das Kinder- und Jugendtelefon hat Standorte in Bargteheide, Kiel, Lübeck und Neumünster, das Elterntelefon in Bad Oldesloe, Kiel und Neustadt/Holstein in der Trägerschaft der entsprechenden Ortsverbände des Deutschen Kinderschutzbundes bzw. in Lübeck durch die Gemeindediakonie. Der Landesverband des Kinderschutzbundes koordiniert die Landesarbeitsgemeinschaft der Telefone in Schleswig-Holstein.



Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Schleswig-Holstein e.V.
Sophienblatt 85
24114 Kiel
www.kinderschutzbund-sh.de