Zwischen Wohlstand und Verarmung

Zahlen spiegeln nicht unbedingt die ganze Wahrheit wieder – selbst wenn sie richtig sind. So betrachtet zeichnen die erstaunlich guten Ergebnisse im Bericht des Gesamtverbandes für Schleswig-Holstein ein falsches Bild. Die Realität ist nicht so rosig, wie ein 5. Platz Glauben machen könnte.

Schleswig-Hol­stein liegt bei grober Betrachtung im Mittelfeld. Jedoch ist auch hier die Situation bedenklich, so der Vorstand des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein, Günter Ernst-Basten.

Armut in Schleswig-Holstein gibt es – auch wenn einige Regionen sehr wohlhabend sind. Andere Regionen, einzelne Städte oder Stadtteile sind hingegen so arm wie die ärmsten Regionen der Re­publik. Hier sammeln sich Menschen und Schicksale, die unter Armut leiden. Der Vorstand des PARITÄTISCHEN in Schleswig-Holstein, Günter Ernst-Basten macht deutlich, dass Armut auch in Schleswig-Holstein weit verbreitet ist:

 „Es gibt in Schleswig-Holstein einen reichen Süden mit den Land­kreisen Stormarn, Segeberg und Pinneberg. Dieser Speckgürtel rund um Hamburg liegt mit einer Armutsquote von 9,9% (Vorjahr 9,7%) unter den Top 10 der Republik. Andere Regionen in Schleswig-Holstein haben aber um bis zu 70% höhere Armutsquoten. Der Süd-Westen (Stein­burg, Dithmarschen ) stieg von 15,8% im Vorjahr auf 16,4%, der Norden (Nordfriesland, Schleswig-Flensburg) machte einen Sprung von 13,2 auf 15,7%. Einen kleinen Lichtblick gibt es für das Keller­kind, den Osten Schleswig-Holsteins: Hier sank die Quote von 19,4 auf 17,0%.“

Noch mehr Sorge bereitet dem PARITÄTISCHEN in Schleswig-Hol­stein die unterschiedliche Einkommensentwicklung. Die Schere zwischen armen und reichen Haushalten nimmt zu. Armut verfestigt sich trotz guter Konjunktur und Rekordbeschäftigung. „Die Armutsentwicklung hat sich endgültig von der Wirtschaftsentwicklung abgekoppelt“, bekräftigt Ernst-Basten eine Aussage aus dem Armutsbericht auch für Schleswig-Holstein.  

 

Für Armut gibt es bekannte Risikofaktoren wie Arbeitslosigkeit und Unterbezahlung (‚Working poor‘). Auch Risikogruppen lassen sich eindeutig ausmachen. So sind etwa alleinerziehende Frauen, chronisch Kranke und pflegende Angehörige stark von Armut be­droht. An diesen Punkten gilt es anzusetzen. Wichtig sind zwar Hilfen für die Menschen in Armut. Wichtiger sind Hilfen aus der Armut:

„Armut steht aber nicht nur für wenig Geld im Portemonnaie. Armut ist auch Risikofaktor für ein höheres Krankheitsrisiko, für niedrigere Bildungschancen, für eine höhere Jugendkriminalität und eine niedri­gere Lebenserwartung“, so Ernst-Basten. Ziel des PARITÄTISCHEN müsse es deshalb immer sein, die Armut als Ursache für soziale Benachteiligung zu bekämpfen.

Eine Gesellschaft und die gewählten Politiker müssen Armut als eine permanente Herausforderung betrachten, damit die Gesellschaft nicht zerreißt. Bildung und gerecht entlohnte Beschäftigung sind Ver­hütungsmittel gegen ungewollte Armut.