05.03.2020 erstellt von Julia Bousboa

Zum Weltfrauentag: PARITÄTISCHER Schleswig-Holstein fordert höhere Vergütung in der Schwangerschaftskonfliktberatung

Pressemitteilung des PARITÄTISCHEN Schleswig-Holstein vom 05.03.2020

Anlässlich des Weltfrauentages am 08. März möchte der PARITÄTISCHE Schleswig-Holstein die Landesregierung an ihr Versprechen von 2018 erinnern, für Berater*innen in Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen eine angemessene Vergütung zu erwirken.

Bei der Schwangerschaftskonfliktberatung handelt es sich nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz um den gesetzlichen Pflichtauftrag, ein ausreichendes Angebot an Beratungsmöglichkeiten sicherzustellen.

Die Berater*innen sind hochqualifizierte Fachkräfte mit verschiedenen Zusatzqualifikationen, die ausdrücklich für die Schwangerschaftskonfliktberatung gefordert werden. Denn Schwangerschaftskonfliktberatung ist eine hochkomplexe Beratungssituation, in der es nicht – wie in der öffentlichen Wahrnehmung häufig angenommen – darum geht, dass sich Frauen dort lediglich einen Stempel für einen Schwangerschaftsabbruch geben lassen. Die Berater*innen werden mit unterschiedlichsten Situationen und Konstellationen konfrontiert. Häufig ist es der Fall, dass multikausale Problemlagen bestehen wie z.B. Beziehungsprobleme, Armut oder Bedarf an anderen Hilfesystemen. Zudem werden die Frauen in den Beratungsstellen ebenfalls zu den Möglichkeiten der Adoption oder vertraulichen Geburt beraten und begleitet – und das meist unter einem hohen Zeitdruck, da es für die Beratungen lediglich ein sehr kurzes Zeitfenster gibt.

Diese wichtige – und gesetzlich vorgegebene – Tätigkeit wird momentan nicht adäquat vergütet. Die Refinanzierung der Stellen durch das Land sollte sich an den Entgeltgruppen 10 bis 11 orientieren, dies würde der komplexen Beratungssituation gerecht werden, in der sich die Berater*innen befinden. Des Weiteren werden die Gehälter der Berater*innen gegenwärtig immer weiter von der Tarifentwicklung abgekoppelt, da regelmäßig von der Personaltabelle von vor zwei Jahren ausgegangen wird – Erhöhungen kommen nicht an, die Vergütung hinkt stetig hinterher.

Die Folge: In der sozialen Arbeit herrscht ohnehin ein großer Fachkräftemangel, was insbesondere im ländlichen Raum mit seinen kleinen, unabhängigen Beratungsstellen zu erheblichen Engpässen führt. Manchen dieser Institutionen, die in ihrem Umfeld extrem gut vernetzt sind und die Rat suchenden Frauen unkompliziert und schnell an andere Hilfesysteme vermitteln können, droht die Schließung. Auf der anderen Seite fehlt Frauen, die die Beratung aufsuchen, häufig das Geld um in größere Städte zu fahren; das enge Zeitfenster kommt erschwerend hinzu.

Eine höhere Eingruppierung, die sowohl die Komplexität der Beratungssituation als auch die Tarifentwicklung berücksichtigt, würde sich positiv auf die Beratungssituation im Flächenland Schleswig-Holstein auswirken und dem gesetzlichen Pflichtauftrag, ein ausreichendes Angebot an Schwangerschaftskonfliktberatungen sicherzustellen, Rechnung tragen.

Bereits 2018 hatte die Landesregierung eine Höhergruppierung in Aussicht gestellt, die zum Leidwesen der Beratungsstellen sowie der Hilfe suchenden Frauen jedoch nicht weiterverfolgt wurde. Daher appelliert der PARITÄTISCHE SH mit Nachdruck an die Landesregierung, zeitnah eine angemessene Vergütung der Berater*innen in der Schwangerschaftskonfliktberatung zu erwirken.

Kontakt:
Julia Bousboa
Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Tel.: +49(0)431/56 02 – 13
Mail: bousboa(at)paritaet-sh.org

Der PARITÄTISCHE Schleswig-Holstein
Zum Brook 4
24143 Kiel