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Michael Saitner: „Bildungsgerechtigkeit entsteht durch Unterstützung, nicht durch Rankings.“

Der Februar als Monat der Schulwahl macht erneut sichtbar, wie ungleich die Startbedingungen für viele Kinder in Schleswig‑Holstein sind. Während Eltern über weiterführende Schulen entscheiden, prägt die soziale Herkunft den Bildungserfolg nach wie vor stärker als individuelle Stärken oder Lernmotivation. Der PARITÄTISCHE Schleswig‑Holstein weist darauf hin, dass Bildungsgerechtigkeit weiterhin eine der drängendsten sozialen Fragen des Landes ist.

Der Sozialindex, mit dem das Bildungsministerium Schulen nach der sozialen Lage ihrer Schülerschaft einordnet, kann ein sinnvolles Steuerungsinstrument sein – aber nicht als Mittel zur Schulwahl oder als Qualitätsmaßstab. Der Index bildet soziale Herausforderungen ab, keine pädagogische Qualität. Schulen in belasteten Sozialräumen leisten vielfach Herausragendes und verdienen Anerkennung und angemessene Unterstützung statt pauschaler Etikettierung.

Der PARITÄTISCHE SH warnt deshalb davor, den Sozialindex als versteckte Rangliste zu interpretieren. Wenn aus statistischen Indikatoren Begriffe wie „Top-Schule“ oder „Problemschule“ entstehen, geraten Kinder, Familien und ganze Stadtteile unter einen ungerechtfertigten Generalverdacht. Schule darf kein Wettbewerb zwischen privilegierten und benachteiligten Milieus sein – sondern ein Ort, der Ungleichheiten ausgleicht.

„Ob ein Kind erfolgreich lernt, hängt nicht von einer Stufe im Sozialindex ab, sondern davon, ob Schulen die nötigen Ressourcen erhalten,“ betont Michael Saitner, geschäftsführender Vorstand des PARITÄTISCHEN Schleswig‑Holstein. „Schulen in herausfordernden Lagen brauchen Rückenwind – nicht Stigmatisierung. Bildungsgerechtigkeit entsteht durch Unterstützung, nicht durch Rankings.“

Der Wohlfahrtsverband begrüßt die zusätzlichen Mittel für sogenannte „Startchancenschulen“, weist jedoch darauf hin, dass strukturelle Unterfinanzierung, fehlende Fachkräfte und steigende soziale Anforderungen durch Sonderprogramme allein nicht ausgeglichen werden können. Für echte Bildungsgerechtigkeit braucht es langfristige Investitionen, multiprofessionelle Teams, armutssensible Schulentwicklung und starke Kooperationen im Sozialraum.