Datum: Mo, 04. November 2019 bis 24 November 2019
Zeit: 10:00 bis 18:00
Ort: Stadtmuseum Warleberger Hof, Dänische Straße 19, 24103 Kiel

40 JAHRE FRAUENNOTRUF KIEL E.V. - Jubiläumsausstellung im Stadtmuseum Warleberger Hof mit Begleitprogramm

»NOCH IMMER – IMMER NOCH«. Eine künstlerische Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt von Renate Bühn


Im Rahmen der 2. Frauenbewegung und der Proteste gegen den § 218 bildeten sich in den 1970iger Jahren in Kiel und vielen anderen Städten Frauenzentren. 1979 gründeten engagierte Frauen im Kieler Frauenzentrum eine »Notrufgruppe«, die schließlich ein eigener Verein wurde. Anlässlich des 40. Jahrestages widmet sich das Kieler Stadtmuseum der Geschichte des Vereins und seines Widerstands gegen sexuelle Gewalt.

Neben einer Foto- und Film-Dokumentation bietet der Warleberger Hof der Künstlerin Renate Bühn Raum fu?r ihre Exponate. Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit ist die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt und dem gesellschaftlichen Täterschutz. Nicht irgendwo weit weg, sondern im eigenen Umfeld, in der eigenen Stadt, der eigenen Familie leben betroffene Mädchen und Jungen. Die Dunkelziffer ist seit Jahrzehnten unverändert hoch. Wie ist das möglich? Wer macht dies möglich? Diese Dissoziation im Alltag versucht Renate Bühn in ihren Arbeiten zu erfassen. Dabei thematisiert sie auf vielschichtige Weise den Mangel an Wahrnehmung und Handeln als Bestandteil in allen gesellschaftlichen Strukturen weltweit.

Die Ausstellung unter dem Titel »noch immer – immer noch« regt zu Diskussionen an und schlägt den Bogen zur ersten Veranstaltungsreihe des Kieler Frauennotrufs vor 40 Jahren unter dem Titel »Wut macht Mut«.

STADTMUSEUM WARLEBERGER HOF
Dänische Straße 19, 24103 Kiel
T 0431 901 34 25 | www.kiel-museum.de

GEÖFFNET

Di–So 10 –18 Uhr und Do 10 –20 Uhr

EINTRITT FREI / EMPFOHLEN AB 18 JAHREN
Einige Exponate können Erinnerungen und schlechte Gefühle auslösen. Während der Öffnungszeiten ist eine Mitarbeiter*in des Frauennotrufs anwesend.

PÄDAGOGISCHE FÜHRUNGEN

durch die PETZE jeweils mittwochs 16 –17 Uhr | Eintritt frei

Eine Veranstaltung des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums in Kooperation mit dem Frauennotruf Kiel e.V. Dänische Straße 3 – 5, 24103 Kiel
www.frauennotruf-kiel.de | www.petze-kiel.de

https://www.frauennotruf-kiel.de/2019/10/11/noch-immer-immer-noch/


 

Eröffnung der Jubiläumsausstellung


40 Jahre Frauennotruf Kiel e.V.
»NOCH IMMER – IMMER NOCH«
Eine künstlerische Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt von Renate Bühn

am Montag, 4. November 2019, um 16 Uhr
im Stadtmuseum Warleberger Hof, Dänische Straße 19.

Es sprechen:

  • Dr. Doris Tillmann, Museumsdirektorin des Kieler Stadt- und Schifffahrtsmuseums

  • Dr. Sabine Sütterlin-Waack, Justizministerin des Landes Schleswig-Holstein

  • Renate Treutel, Bürgermeisterin der Landeshauptstadt Kiel

  • Renate Bühn, Künstlerin

  • Christa Limmer, Ulrike Krause, Vorstand des Frauennotrufs Kiel e.V.

Die 40-jährige Arbeit des Frauennotrufs Kiel e.V. entspringt der 2. Frauenbewegung und ist getragen von politisch und auch ehrenamtlich engagierten Frauen aus vielen Berufsfeldern. Unabhängig und feministisch ist der Verein im Sinne der Betroffenen zugleich eng verbunden mit Polizei, Justiz, den Landesministerien und der Landeshauptstadt. So ist es eine besondere Freude, dass unsere Justizministerin Frau Dr. Sabine Sütterlin-Waack für das Land Schleswig-Holstein und die Bürgermeisterin Renate Treutel für die Stadt Kiel die Veranstaltungsreihe mit Grußworten eröffnen. Mit dem Warleberger Hof wurde ein idealer und würdiger Rahmen für die Ausstellung zur Geschichte des Frauennotrufs und der PETZE gefunden. Frau Dr. Doris Tillmann wird als Museumsdirektorin und Historikerin die Bedeutung der Arbeit für Kiel, Schleswig-Holstein und bundesweit erläutern.  
Im Anschluss an die kurzen Redebeiträge besteht die Möglichkeit zum Austausch mit der Künstlerin Renate Bühn bei einer Führung durch die Ausstellung und die Einladung zum Feiern der gemeinsamen Erfolge bei einem kleinen Sektempfang.
Eintritt frei

https://www.frauennotruf-kiel.de/2019/10/11/einladung-zur-eroeffnung-am-4-november/

 


 

Begleitprogramm


Do 7. November 2019 >>> 18-21 Uhr
Vortrag: Hinsehen – Handeln? Helfen!
Unterstützung für Mädchen und Jungen nach sexualisierten Gewalterfahrungen

Kinder, die sexuellen Missbrauch erlebt haben, brauchen auch im Alltag Unterstützung. In diesem Vortrag steht der Umgang mit Betroffenen im Zentrum – wie können diese in ihrer Verarbeitung gestärkt werden? Denn nach wie vor bestehen häufig Gefühle von Unsicherheit und Überforderung, wenn sich ein Verdacht bestätigt –mit der Gefahr, dass nach dem Motto „lieber gar nicht als falsch“ gehandelt wird. Fachkräfte in Kindertagesstätten, Schulen und Einrichtungen Jugend- und der Erziehungshilfe sind oft die ersten Ansprechpersonen und sind daher im Laufe ihres Berufslebens immer wieder mit dem spezifischen Hilfebedarf konfrontiert, den Kinder haben, die sexuell missbraucht wurden. Die Ergebnisse des Forschungsprojekt KiMsta zeigen auf, was Fachkräfte und Umfeld tun können, um Kinder im Verarbeitungs-und Heilungsprozess zu helfen.

Referentin:

Prof. Dr. phil. Julia Gebrande, Diplom-Sozialpädagogin/Sozialarbeiterin, Hochschule Esslingen, Autorin des Buches „Kinder mit sexualisierter Gewalterfahrung unterstützen“

Im Anschluss an den Vortrag setzen wir die schöne Tradition des PRÄVENTIONS-KLÖNSCHNACKS fort und wollen mit unseren Netzwerk- und Kooperationspartner*innen darüber ins Gespräch kommen, wie sich die Arbeit im Bereich Prävention und Intervention in Kiel und Schleswig Holstein weiter konkret verbessern lässt. Dafür stehen u. A. sowohl die Notruf Vorstandsfrau Christa Limmer als auch die Geschäftsführerin der PETZE Ursula Schele bereit und freuen sich auf neue Ideen – insbesondere im digitalen Zeitalter.
Eintritt frei


Di 12. November 2019 >> 18-20 Uhr
Film: „Die Hände meiner Mutter“

Veranstaltungsort: Kino in der Pumpe – Kommunales Kino Kiel, Haßstraße 22 / 24103 Kiel
In diesem bemerkenswerten Film von Florian Eichinger geht es um einen Mann, der sich auf einem Familienfest an sexuelle Übergriffe durch seine Mutter zu erinnern beginnt. Erinnerungsblockaden werden verständlich und der Film greift gleich zwei Tabuthemen auf, sexueller Missbrauch an Jungen und sexueller Missbrauch durch Mütter, die in sehenswerter und feinfühliger Weise umgesetzt wurden. Dafür hat er das Prädikat „besonders wertvoll“ verliehen bekommen und mehrere Preise gewonnen. Mit einem besonderen filmischen Kunstgriff, indem der erwachsene Mann auch die Kinderrolle des betroffenen Jungen spielt, wird einerseits einem Kind die Darstellung der Missbrauchsszenen erspart und gleichzeitig die Dynamik des Tatgeschehens überdeutlich.
Nach dem Film besteht nach einer Pause die Möglichkeit zu weitergehenden Information und zur Diskussion darüber, wie Jungen und Männer besser als bisher unterstützt werden können.
Eintritt: € 7 / € 6


Do 14. November 2019 >>> 18-20 Uhr
Prävention von sexuellem Missbrauch
Veranstaltung für Eltern, Fachkräfte und Interessierte

Bei vielen Eltern und Sorgeberechtigten aber auch bei pädagogischen Fachkräften gibt es Verunsicherungen und Sorgen beim Umgang mit dem Thema sexueller Missbrauch. Jenseits von Panikmache wollen wir zu diesem wichtigen Thema informieren, Täterstrategien benennen, Folgen für Betroffene und deren Familien aufzeigen und Möglichkeiten vorstellen, wie Kinder im Alltag gestärkt und geschützt werden können. Dabei geht es unter anderem auch um das „ECHTE SCHÄTZE“-Präventionsprogramm der PETZE, das mittlerweile sogar bundesweit als „Starke Kinder Kiste“, ein Projekt von PETZE in Kooperation mit der Stiftung Hänsel+Gretel, auf sehr positive Resonanz stößt. Das zeigt sich u.a. auch darin, dass die Bundesministerin Frau Dr. Franziska Giffey die Schirmherrschaft übernommen hat und mit dem Projekt in den kommenden Jahren bundesweit 500.000 Kinder, deren Eltern und Fachkräfte erreicht werden sollen.  

Referent:
Nils Raupach, Diplom-Sozialpädagoge, PETZE-Institut für Gewaltprävention
Eintritt frei


Di 19. November 2019 >>> 18-20 Uhr
Film: „Vergessen kann ich das nie – Die Geschichte einer Vergewaltigung“

Die Filmemacherin und Mitgründerin des Frauennotrufs Kiel Quinka Stoehr dokumentiert in diesem Film von 1986 einen Gerichtsprozess vor dem Kieler Landgericht zum Thema sexuelle Gewalt am Arbeitsplatz. In der Zeit, der damals noch rein ehrenamtlichen Arbeit im Verein Notruf und Beratung für vergewaltigte Mädchen und Frauen, hat dieser spektakuläre Fall eines Fehlurteils am Landgericht Kiel zu Demonstrationen, verstärkter Medienarbeit und der direkten Auseinandersetzung mit Gerichtsverfahren geführt. Daraus entstanden erste wissenschaftliche Untersuchungen zur Analyse von Vergewaltigungsprozessen und – Jahre später – das Zeuginnenbegleitprogramm, das mittlerweile in ganz Deutschland zum gesetzlichen Rechtsanspruch geworden ist. Der Film schlug damals – drei Jahrzehnte vor #MeToo – bundesweit hohe Wellen, wurde hundertfach gezeigt und ausgestrahlt. Zum Themengebiet des „Sexuellen Missbrauchs am Arbeitsplatz“ hat er viel bewirkt. Heute scheint es zumindest in Schleswig-Holstein nicht mehr denkbar, dass derartige Taten wie damals mit einem Freispruch enden.
Die Filmemacherin Quinka Stoehr und Ursula Schele als Bundesvorsitzende des bff, des Bundesverbands der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe, werden persönlich für eine anschließende Diskussion anwesend sein.
Eintritt frei


Do 21. November 2019 >>> 18-20 Uhr
Lila Sofa: noch immer –immer noch
Auf die Dauer hilft nur POWER!

Moderation: Brigitte Pleiss, Filmemacherin, ehemalige Journalistin im NDR, Feministin und Mediencoach

Die Diskussion auf dem Lila Sofa bezieht das Publikum mit ein und wird durch antisexistische Hip Hop-Musikbeiträge von Presslufthanna bereichert.

Vier Feministinnen aus vier Epochen im Gespräch über Erfolge, Rückschläge, Kontroversen und Strategien in der Frauenbewegung. Wir wollen exemplarisch Herausforderungen von damals und aktuelle Konzepte von heute mit Ihnen und Euch diskutieren. Dabei steht für jede Dekade der bewegten Geschichte des Frauennotrufs Kiel stellvertretend eine Mitstreiterin für das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung.

Das ist für die Gründerinnenjahre die ehemalige Fraktionsvorsitzende der Grünen und langjährige Landtagsabgeordnete Irene Fröhlich, die dereinst in Husum den ersten Frauennotruf mit auf den Weg gebracht und die Anliegen aller Frauenprojekte als Politikerin immer aktiv unterstützt hat.

Für die Phase der Etablierung, Professionalisierung und Finanzierung steht die ehemalige Frauenbeauftragte der Landeshauptstadt Kiel, Annegret Bergmann. Mit ihr gemeinsam wurde die Arbeit im AK „Gewalt gegen Frauen“ erfolgreich fortgesetzt, das Frauenbündnis Kiel etabliert, die landesweite Brötchentüten-Aktion ins Leben gerufen, die Finanzierung der Frauenprojekte auf stabilere Füße gestellt und mit dem Projekt „NEIN IN STEIN“ das bundesweit erste Denkmal zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ als begehbares Labyrinth im Werftpark in Gaarden realisiert.   
 
Die Phase der gesellschaftlichen Akzeptanz des Themas Gewalt gegen Frauen wird durch Dr. Anja Nordmann aus Berlin, die Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Frauenrats, repräsentiert. Sie hat dereinst den Verein Refugio für Folter-, Flucht- und Gewaltopfer zusammen mit weiteren Kooperationspartner*innen gegründet und für den BaF e.V., dem Bundesverbandes autonomer Frauennotrufe, gearbeitet. Dieser fusionierte später mit dem Bundesverband der Frauenberatungsstellen zum bff, dem Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe in Deutschland. In neuerer Zeit, gemeinsam mit vielen anderen Verbänden und dem Deutschen Frauenrat, konnten mit der Kampagne „NEIN heißt NEIN“  bessere Gesetze zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt durchgesetzt werden.
 
Für die Neuzeit, einen modernen Feminismus und neue Aktionsformen stehen gleich zwei junge Frauen.
Hanna rappt seit 6 Jahren unter dem Namen Presslufthanna. In ihren Texten thematisiert sie neben persönlichen Erfahrungen und Prozessen, außerdem Sexismus im Hip Hop, sowie Rassismus und Faschismus in Deutschland. Hanna studiert Soziale Arbeit und arbeitet als Unterstützerin für zwei Frauenbeauftragte einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Lea lebt seit 2013 in Kiel Gaarden. In ihrer* Bachelorarbeit im Studium Soziale Arbeit beschäftigte sie* sich mit queer-feministischer Frauenhausarbeit. Aktuell versucht Lea den Widerspruch von der Bedeutung und der Dekonstruktion von Geschlecht in der Mädchen*arbeit auszuhalten. Abseits von Lohnarbeit verbringt Lea Zeit mit dem Organisieren von queer-feministischen (Hardcore-)Punk-DIY-Konzerten mit ihrem* Kollektiv Bikini Kiel.
Eintritt frei

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